Uli Hoeneß berichtet von überraschender Freilassung aus dem Gefängnis: „Niemand hat damit gerechnet“
München – Am 29. Februar 2016 wurde der ehemalige Gefangene Uli Hoeneß (74) wieder in die Freiheit entlassen. Wie der Ehrenpräsident des FC Bayern München jetzt enthüllte, erfolgte seine Freilassung völlig unerwartet in einer geheimen Aktion.
„Ich werde die letzte Nacht hinter Gittern nie vergessen. Die Medien gingen fest davon aus, dass ich am 29. Februar gegen Mittag aus dem Gefängnistor gehen würde. Doch die Leitung der Justizvollzugsanstalt überraschte alle, indem sie mich schon kurz nach Mitternacht freiließ“, berichtete Hoeneß im Interview mit der „Bild“-Zeitung.
Seine Ehefrau Susanne und sein Sohn Florian holten ihn ab. „Als wir dann um 1 Uhr nachts zuhause in Bad Wiessee am Tegernsee ankamen, erwarteten uns viele Freunde, sogar eine Blaskapelle spielte vier oder fünf Lieder. Bis in die frühen Morgenstunden um 5 Uhr haben wir gemeinsam Schafkopf gespielt – das war wirklich unvergesslich“, schilderte Hoeneß.
Der Weltmeister von 1974 bezeichnete seine Haftzeit als eine prägende Phase seines Lebens.
„Gerade in dieser schwierigen Zeit, vor allem für meine Familie, konnte ich viel für mein weiteres Leben lernen und habe vieles danach auch aus einer anderen Perspektive betrachtet“, erklärte der 74-Jährige.
Der Aufenthalt in der Justizvollzugsanstalt Landsberg habe ihm Bescheidenheit und ein stärkeres Bewusstsein für soziale Verantwortung vermittelt.
„Selbst im Gefängnis habe ich mich stets für meine Mitgefangenen eingesetzt. Bei meiner Entlassung sagte mir die Leiterin der JVA, dass ich der einzige Gefangene gewesen sei, der einen echten Fanclub sowohl unter den Häftlingen als auch den Mitarbeitern der Anstalt hatte“, erzählte Hoeneß.
Zu ehemaligen Mitgefangenen habe er allerdings keinen Kontakt mehr. „Da waren einige sehr harte Typen dabei. Wenn morgens vor deinem Bett ein Mörder sitzt und dir seine Lebensgeschichte erzählt, weiß man nicht, ob man das wirklich hören möchte“, so Hoeneß.
Während seiner Haftzeit erhielt er rund 5500 Briefe, die er bis heute aufbewahrt. „Ich habe sie in einer großen Kiste und schaue hin und wieder mal hinein“, sagte er.
Am 13. März 2014 war Hoeneß vom Landgericht München II wegen Steuerhinterziehung in sieben Fällen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Durch gute Führung wurde er bereits nach knapp der Hälfte der Zeit vorzeitig auf Bewährung entlassen.